Menschen finden zueinander, weil sie im anderen etwas entdecken, was sie auf eine bestimmte Weise fasziniert und anzieht. Das kann eine Charaktereigenschaft sein, die man selbst nicht hat: eine junge Frau ist zum Beispiel angetan, mit wieviel Souveränität und Ruhe ein ihr fremder Mann nach einem Auffahrunfall reagiert. Sie selbst hätte schon lange die Nerven verloren, er bleibt aber ruhig, fast gelassen und benachrichtigt die Polizei. Nachdem alle Formalitäten unkompliziert erledigt wurden, lädt sie ihn spontan auf eine Tasse Kaffee ein. Davon ist er wiederum sehr begeistert, denn er hätte sich diesen Schritt nicht getraut.

 

Sie treffen sich wieder und finden im Laufe der Zeit einige Gemeinsamkeiten. Sie freuen sich aufeinander, lachen gemeinsam, erzählen sich Ereignisse aus ihrer Vergangenheit, gehen gemeinsam spazieren, genießen Kino- und Theaterbesuche. Schließlich werden sie ein Paar und damit geht ihr vorher gelebter Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer, gemeinsamer Weg kann beginnen. Hier kann nun der Impuls zur gemeinsamen Weiterentwicklung stehen.

 

Als Voraussetzung zu einem guten Gelingen einer Partnerschaft gehört, dass man sich selbst und den anderen gut kennt. Wie sind wir groß geworden und welche Beziehungsmuster haben wir im Laufe unseres Lebens gelernt? Wurde in unserer Familie viel gelacht und hatten wir eine unbeschwerte Kindheit? Dann gehen wir wahrscheinlich auch unbeschwerter durchs Leben. Oder wurde in unseren Familien viel gestritten und wir mussten als Kinder um alles kämpfen? Dann werden wir vielleicht auch später denken, wir müssen um alles kämpfen. Wurden Liebe und Zuneigung gelebt, dann können wir dies auch als Erwachsene zeigen. Machen wir uns also bewusst, dass sich aus all diesen Erfahrungen eine Erwartungshaltung gegenüber dem Leben herausbildet. Jede Beziehung (Partnerschaft, Arbeit, Freizeit usw.) beginnen wir mit eben diesen Erwartungen. Wir müssen demnach immer fragen, was wir erwarten und was wir weiter dafür tun wollen, um zufrieden und glücklich zu sein.

 

Wir brauchen in jeder neuen Situation die innere Klarheit darüber, ob es für unser jetziges Leben sinnvoll ist, unseren alten Werten und Mustern treu zu bleiben oder sie zu verändern. Wir sollten daraufhin auch die Werte unseres Partners anschauen und herausfinden, ob diese mit unseren übereinstimmen. Inwieweit ist dann eine Annäherung an den anderen möglich, wo muss ich zurücktreten, vielleicht Verzicht üben und wo soll ich mich durchsetzen? Die Grundvoraussetzung für die Beantwortung dieser Fragen ist die Bereitschaft zur unbedingten Offenheit und der ehrlichen Auseinandersetzung mit uns selbst und unserem Gegenüber.

 

Für den einen ist dies die Realität und er lebt sein Leben in vollen Zügen. Er scheut das Neue nicht und gesteht auch Fehler oder Versagen ein. Er weiß, das Leben bietet mehr als nur eine Chance. Für den anderen gestaltet sich alles Neue nicht so leicht. Er möchte festhalten an Gewohntem, ist sich unsicher beim Loslassen und neue Dinge zu versuchen. Egal, wie wir aber unser Leben gestalten, es ist wichtig, dass wir die Verantwortung für unser Handeln und unseren Umgang mit anderen und uns selbst übernehmen. Ducken wir uns nicht weg, wenn das Leben seine Fragen an uns stellt!

 

Oder wie Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, sagte:

„Das Ich wird Ich erst am Du.“